Ihr aber seid ein priesterliches Volk PDF

Es gibt kaum eine Diskussion mit kirchenkritischen Zeitgenossen, in der nicht das „Zölibat“ angesprochen wird. Nicht nur für Talkshow und Diskussionsrunden eignet sich die Ehelosigkeit der katholischen Priester hervorragend – auch für melodramatische Spielfilme und Romane garantiert das Thema und die damit verbunden menschlichen Verwicklungen eine gleichbleibend hohe Aufmerksamkeit. In der Zölibatsdiskussion nutzt es wenig, darauf hinzuweisen, dass die Ehelosigkeit der Priester nur wenig mit unserem Glauben zu tun hat – ja, ohne Probleme als eine Art „Randthema“ ihr aber seid ein priesterliches Volk PDF werden kann. Gerade deshalb – weil die Diskussion nicht mit Argumenten, sondern mit Emotionen geführt wird -, scheint sie nicht wirklich vorwärts zu kommen.


Författare: Ottmar Fuchs.
Wenn einem Menschen die Hände aufgelegt werden, ist dies nicht nur im christlichen Bereich etwas Besonderes. »Irgendwie« ereignet sich dabei eine Gabe, die zugleich eine Aufgabe ermöglicht. Ottmar Fuchs unternimmt es, dieses »Irgendwie« im Zusammenhang einer Gnadentheologie für Firmung und Ordination, bei denen die Handauflegung im liturgischen Akt zentral ist, genauer zu entschlüsseln. Was bedeutet es, wenn beide Sakramente konsequent von ihrem Gabe und Geschenkcharakter her verstanden werden? Welche Aufgabe lässt sich daraus begründen? So ergeben sich ungewohnte, brisante Einsichten für Theologie und Pastoral.

Emotionen sind einsichtig: Wie schrecklich leidet die unglückliche Liebe eines vom Kirchengesetz malträtierten Pfarrer? Wie unmenschlich ist es für die Geliebte eines Priester, wenn sie Jahrzehntelang eine Lüge leben muss? Ehe, in Freundschaften und Liebesbeziehungen – aber daraus lassen sich kaum Rückschlüsse ziehen auf den Sinn und die theologische Erlaubtheit dieses kirchlichen Gesetzes. In dieser Katechese soll es um die Frage gehen, ob die Verpflichtung des geweihten Priesters, ein Leben der sexuellen Enthaltsamkeit zu leben, sich theologisch, biblisch und menschlich begründen lässt. Denn es gibt es auch viele gut gemeinten Argumente für den Zölibat, die nichts erklären und manchmal sogar auf falsche Fährten locken und den eigentlichen Sinn verdunkeln. Die Frage nach dem Zölibat ist kein wesentlicher Bestandteil des Glaubens.

Daraus zu schließen, dann sei es schließlich auch egal, in welcher Form die Priester leben, ist allerdings voreilig. Denn ein Randthema steht immer noch in einer Beziehung zum zentralen Beziehungsgeflecht der Glaubenswahrheiten: »Was ist Priester eigentlich? Was heißt es, „ein guter Priester“ zu sein? Oder: »Inwieweit kann eine Entscheidung auf Lebensdauer verpflichtend gemacht werden? Wann ist die Aufhebung einer Lebensentscheidung gutzuheißen?

Verhältnis von Sache und Ausdruck: Ist mir nicht klar, welchen Charakter eine Feier hat, kann ich mich frei für eine mir passende Kleidung entscheiden. Weiß ich aber, dass es sich um eine Beerdigung handelt, empfiehlt sich eine dementsprechende Kleidung. Wichtiger als die dunkle Kleidung ist aber die Trauer, die ich empfinde. Würde allerdings die Auseinandersetzung bei den zugrunde liegenden Problemen ansetzen, käme man vermutlich gar nicht bis zu Frage des Zölibats: Die Auffassung bspw. Priesterbild, Kirchenbild oder gar zum Menschenbild gehen derart weit auseinander, dass eigentlich nicht von einer Zölibatskrise die Rede sein sollte, sondern eher von einer Glaubenskrise. So hat Dietrich von Hildebrandt sein Buch zum Zölibat auch treffend «Zölibat und Glaubenskrise» genannt. Nochmal: Die Frage nach dem Zölibat selber ist keine Glaubensfrage im eigentlichen Sinne: Der Zölibat hat seinen Platz nicht im Credo der Kirche, sondern im Gesetzbuch.

Es ist kein Glaubensartikel, sondern lediglich eine Vorschrift der Kirche. Das Zölibat ist von seiner Form her eigentlich eine Nebensächlichkeit. Die erbitterte Diskussion dieser Nebensächlichkeit ist wie ein Stellvertreter-Krieg: Im Grunde geht es nicht um die Ehelosigkeit des Priesters, sondern um das Verständnis von Priester, von Kirche, von Sexualität und Sakramentalität. Zunächst müssen wir ein paar Begriffe klären, um Probleme und Auseinandersetzung, die auf missverständlichen Begriffen beruhen, zu vermeiden. Mit »Jungfräulichkeit« ist der «freiwillige Verzicht auf die eheliche Gemeinschaft» gemeint. Dieser kann zwar auch nur auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt sein, ist aber im Zusammenhang mit dem Thema „Zölibat“ meistens als auf die gesamte Lebenszeit ausgerichtet gedacht. Zölibat» kommt von «caelebs» – lat.