Gewalt und Gewaltüberwindung in der Bibel PDF

Zur Navigation springen Zur Suche springen Gewalt in der Bibel wurde erst seit etwa 1970 zu einem eigenen wissenschaftlich behandelten Gesamtthema. Gewalt und Gewaltüberwindung in der Bibel PDF, Unterdrückung, Enteignung, Vertreibung, Genozid, Entrechtung.


Författare: Walter Dietrich.
Für 2001 hat der Ökumenische Rat der Kirchen die ‚Dekade zur Überwindung der Gewalt‘ ausgerufen. Das vorliegende Buch verfolgt erstmals diese Thematik ausführlich durch die gesamte Bibel. Nach Klärungen zur Begrifflichkeit wird zunächst eine Phänomenologie der Gewalt in der Bibel entworfen: Gewalt ereignet sich zwischen Individuen, in der Gesellschaft, zwischen Religionen, zwischen Staaten und gegenüber der Kreatur. Ein weiteres Kapitel analysiert prägende Gegen-Bilder zur Gewalt in der Bibel. Schließlich werden in der Bibel gewiesene Wege zur Überwindung der Gewalt nachgezeichnet – die Stichwörter: Vorbeugung, Verarbeitung, Begrenzung, Verzicht und Versöhnung. Das Buch ist aus dem akademischen Unterricht erwachsen und von Dozenten und Studierenden gemeinsam erarbeitet. Es richtet sich an alle in Kirche und Gesellschaft, die an der Allgegenwart der Gewalt leiden und die nach Möglichkeiten ihrer Überwindung fragen.

Individuelle und soziale Aggression, Konflikte zwischen verschiedenen sozialen Gruppen, staatliche, nationale und internationale Machtausübung, strukturelle und kulturelle Gewaltprozesse bestimmen alle Bereiche des menschlichen Daseins mit: so auch die Religion. Die neuzeitliche Unterscheidung von privater und öffentlicher Gewalt spielt in der Bibel jedoch nur bedingt eine Rolle. Ziel der Überwindung aller lebensfeindlichen Mächte, deren Gewalt Gottes Geschöpfe ausgesetzt sind, durch Gott selbst. Wie sich Gottes Gewalt zu der des Menschen verhält, zieht sich als theologisches Grundproblem durch die ganze Bibel. Schutz allen Lebens, verstanden als Recht des Schöpfers auf seine Schöpfung, einordnen.

Zugleich aber erscheint Gewalt damit als integraler Bestandteil des biblischen Gottesbildes. Der Tanach kennt Dutzende Wortwurzeln, die ein gewaltsames Handeln bezeichnen. Gott bezogen und auch bei Menschen deutlich von anderem Töten unterschieden. Nachdem der Pharao die Israeliten hat versklaven lassen, sendet JHWH Moses zu ihrer Befreiung. Diese wird gewaltsam durch Zehn Plagen, darunter Feuerregen und Tod aller erstgeborenen Söhne der Ägypter, erzwungen. Lasst uns JHWH singen, denn er hat eine herrliche Tat getan, Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.

Damit stellt sich für biblische Theologie die Frage, ob Israels Gott JHWH ursprünglich ein national begrenzter Kriegsgott war, der ein Volk rettet, indem er ein anderes vernichtet. Im Deuteronomistischen Geschichtswerks der Bücher Josua bis 2. Die Bibel berichtet im Kontext der Landnahme auch über Ausrottung fremder Nachbarvölker Israels im Auftrag Gottes, die Frauen und Kinder nicht verschonten. Geschichtserzählungen zufolge jedoch nicht immer eingehalten wurden. Die biblische Geschichtsschreibung unterscheidet sich in Bezug auf Krieg nicht wesentlich von der orientalischer Großreiche. Jedoch deutet sie die Katastrophen der Geschichte Israels im Anschluss an das Auftreten der israelitischen Propheten theologisch als Gerichte Gottes und Folge von menschlichem Versagen, Gewalttaten und Unrecht, Abfall zu anderen Göttern usw. In den Gesetzeskorpora des Pentateuch werden verschiedenste religiöse und profane Verbrechen rechtlich sanktioniert.

Das Gebot Auge für Auge verlangt in seinem Eigenkontext einen angemessenen Schadenersatz für alle Fälle von Körperverletzung. Die Zehn Gebote enthalten das unbedingte, an keinen Einzelfall geknüpfte Verbot des Mordens, Raubens, Ehebrechens und Begehrens von fremdem Besitz. Damit kommt innerhalb des für Israel geltenden Gottesrechts ein Widerspruch zu dem noachidischen allgemeinen Vergeltungsgebot in den Blick. Denn Dein ist das Reich und die Macht und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Amen. Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam.

Zu verschiedensten Zeiten haben Herrscher dies als ein von Gott verliehenes Gewaltmonopol interpretiert. Diesem Konzept gegenüber steht das vor allem in westlichen Verfassungen verankerte Prinzip der Trennung von Staat und Kirche. Zum einen wird Gott als Richter beschrieben, der am jüngsten Tag Gericht über die ganze Menschheit und jeden einzelnen Menschen halten wird. Zum anderen spricht die Bibel davon, dass die Obrigkeit auch Recht spricht und Recht sprechen soll. Bedeutung ist im NT jedoch sein Lehren und Handeln zu Lebzeiten. Es wird vielfach Gewalt auch im NT vermutet. Gewalt erfahren, was sich später dann in der Christenverfolgung auch bestätigt haben soll.

Im Allgemeinen wird Jesus von Nazaret im NT als gewaltlos wirkende Person beschrieben, einzige Ausnahme ist die Tempelreinigung des frühen Jesus. Einige seiner Gleichnisse wurden jedoch in recht drastischer Sprache bzw. Weiterhin bestätigt Jesus von Nazaret auf Drängen der herrschenden Priesterkaste bzw. Einige Gesetze der Tora, heute Teil des AT, wurden von Jesus jedoch eindeutig geändert bzw. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn!