Der Typografiestreit in der Moderne. Max Bill kontra Jan Tschichold PDF

Max Bill machte von 1924 bis 1927 eine Lehre als Silberschmied an der Kunstgewerbeschule Zürich. Ab 1929 war Bill sowohl praktisch als auch theoretisch als Architekt, seit 1932 auch als Der Typografiestreit in der Moderne. Max Bill kontra Jan Tschichold PDF, Grafiker und Maler tätig.


Författare: Hans Rudolf Bosshard.
Sobald es um Ästhetik geht, also um nicht exakt abwägbare Dinge, gibt es unterschiedliche Haltungen. Auch in der Typografie äusserten sich Schriftgestalter immer wieder unterschiedlich zur Eignung verschiedener Schriften, über den optimalen Satzspiegel, die Verwendung schmückender Elemente etc. Hans Rudolf Bosshard gibt dazu einige historische Beispiele – von Bodoni und Bertuch zu Morris und Morison –, um auf den sogenannten 'Typografiestreit der Moderne' zwischen Jan Tschichold und Max Bill zu kommen, der 1946 stattfand und einige Wogen schlug. Auslöser war ein Vortrag Tschicholds mit dem Titel 'Konstanten der Typografie', bei dem er seine früheren, massgeblichen Regeln zur neuen Typografie aufgrund seiner negativen Erfahrungen mit dem NS-Regime stark relativierte. Max Bill war enttäuscht über den Sinneswandel des einstigen Vorreiters der neuen Typografie und sah in der Forderung zur Wiederaufnahme traditioneller Gestaltungsformen einen Angriff auf die Moderne. Beide machten einander in der Folge den unfassbaren
Vorwurf, gestalterisch der nationalsozialistischen Ästhetik nahezustehen. Der heftige Schlagabtausch der prominenten Männer erfolgte in den Schweizer Typographischen Mitteilungen. Dieser wird in der vorliegenden Aufarbeitung von Originalquellen erstmals detailliert vorgestellt.

Von 1932 bis 1937 war er Mitglied der Künstlerbewegung Abstraction-Création in Paris. Bill schuf zahlreiche Skulpturen und stellte vielfach in Galerien und Museen aus. 1945 erhielt Bill seinen ersten Lehrauftrag an der Zürcher Kunstgewerbeschule. In dieser Zeit schloss er Freundschaft mit Georges Vantongerloo und František Kupka. Zusätzlich zu seiner Lehrtätigkeit verfasste er zahlreiche Bücher, hielt Vorträge über Kunst, Architektur, Design und trat auf Tagungen rund um den Globus auf.

Er wurde ein halbes Jahrhundert vom schweizerischen Staatsschutz observiert, beginnend im Oktober 1936, nachdem er den in Nazideutschland verfolgten Journalisten Alfred Thomas bei sich versteckte. Von 1961 bis 1968 war Bill Mitglied des Zürcher Gemeinderates und von 1967 bis 1971 des Schweizer Nationalrates. Portiert vom Landesring der Unabhängigen, war er als Parteiloser politisch aktiv. Bill lernte 1929 die in Mulhouse geborene Schauspielerin und Varietékünstlerin Maria Benz kennen, und sie wohnte für kurze Zeit bei ihm an der Stadelhoferstrasse 27 in Zürich.

Bill gab ihr den Namen Nusch, auch arbeitete sie für ihn als Assistentin. Bill war seit 1974 mit der Kunsthistorikerin Angela Thomas liiert, die ihn zwanzig Jahre lang auf vielen Reisen begleitet hatte und in dieser Zeit die wichtigste Gesprächspartnerin für sein Werk war. Dezember 1994, während er auf dem Flughafen Berlin-Tegel auf einen Flug nach Zürich wartete, brach Max Bill infolge eines Herzanfalls zusammen und verstarb auf dem Transport in ein Krankenhaus. Da Bill die Stiftungsvorschläge seines Sohnes zurückgewiesen hatte, wurde nach seinem Willen der Nachlass zwischen dem Sohn und der Witwe, Angela Thomas, aufgeteilt.